Zukunftsangst, Familienkonflikte, persönliche Krisen - 147 ist da für Kinder und Jugendliche

30.03.2020

Jugendliche kreieren Kampagne für Pro Juventute

Durch die aktuelle Coronakrise sind die meisten Jugendlichen zuhause und von ihrem Freundeskreis isoliert. Zudem belasten die Unsicherheiten, die die Krise mit sich bringt die Jugendlichen zusätzlich in einer sowieso schon kritischen Lebensphase. Konflikten in der Familie kann nicht einfach ausgewichen werden und die digitale Unterrichtsform fordert ein besonderes Mass an Selbstdisziplin. Beratung + Hilfe 147 sowie der Pro Juventute Chat mit Gleichaltrigen sind auch in der aktuellen Situation rund um die Uhr für Jugendliche erreichbar und werden rege genutzt. Um dieses Angebot bei Jugendlichen weiter bekannt zu machen, kreierten neun junge Fotograf*innen und Filmer*innen zwischen 16 und 22 Jahren eine neue Kommunikationskampagne für Pro Juventute, die heute startet.

In Notsituationen brauchen Kinder und Jugendliche Menschen, denen sie sich anvertrauen können. Manchmal auch ausserhalb der Familie. Jeden Tag suchen rund 400 Kinder und Jugendliche bei den über 70 professionellen Beraterinnern und Beratern von Beratung + Hilfe 147 nach Rat. Die aktuelle Situation ist für viele Jugendliche zusätzlich belastend. «Bei Beratung + Hilfe 147 melden sich im Moment viele junge Menschen, die sich vor der aktuellen und sich möglicherweise noch verstärkenden Isolation fürchten», erklärt Thomas Brunner, Leiter Beratung bei Pro Juventute. Der Gedanke, sich nicht mehr frei bewegen zu können, soziale Kontakte nicht mehr pflegen zu können und dadurch viel stärker auf sich alleine gestellt zu sein, hat für viele junge Menschen etwas sehr Bedrohliches – sie sind zuhause, getrennt von ihrem Freundeskreis, abgekoppelt von der gewohnten Tagesstruktur und sind auf engerem Raum mit Eltern und Geschwistern, was neue Konflikte provozieren kann. Zudem kann niemand voraussehen, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird – eine Unsicherheit, die vor allem Jugendliche, die vor dem Berufseinstieg stehen, sehr belasten kann. Auch in der aktuellen Situation ist Beratung + Hilfe 147 auf allen Kanälen rund um die Uhr erreichbar.

Sorgenbarometer 2019: Informationen zu Sexualität werden online am häufigsten nachgefragt

Das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen ändert sich laufend – zunehmend nutzen sie schriftliche Kanäle respektive suchen im ersten Schritt nach Antworten im Netz. Die Nutzung der professionellen Ratgeber-Inhalte auf der Website 147.ch wächst daher seit einigen Jahren kontinuierlich an. Zum ersten Mal erhob Pro Juventute daher ein «digitales Sorgenbarometer» der Themen, welche auf 147.ch online am häufigsten nachgefragt sind.

Die Zahlen für das Jahr 2019 zeigen: Verhütung (11.3%), Selbstbefriedigung (6.8%), Schwangerschaft (4.9%) oder das erste Mal (3.7%) – der Themenbereich «Sexualität» ist mit 43% aller Seitenaufrufe mit Abstand der grösste bei den online nachgefragten Themen. Bis vor zehn Jahren waren Fragen rund um die Sexualität auch die häufigsten in der telefonischen Beratung (23.5% in 2009), heute machen sie jedoch nur noch 8.4% der direkten Kontakte aus. «Es zeigt sich, dass Fragen rund um Sexualität im Alltag der Jugendlichen unverändert eine wichtige Rolle spielen. Jugendliche suchen zu diesem Thema häufig im Internet nach Informationen, die mit digitalen Inhalten beantwortet werden können – vorausgesetzt sie sind qualitativ hochwertig. Deshalb haben wir von Pro Juventute in den letzten zwei Jahren die Plattform 147.ch mit Informationstexten und Antworten zu häufigen Fragen angereichert», erklärt Thomas Brunner.

Schwerwiegende persönliche Probleme bestimmen den Beratungsalltag

In der Beratung per Telefon, SMS, E-Mail oder Chat spitzt sich die Zunahme schwerwiegender persönlicher Probleme zu. Sie machten 2019 mit 35.6% bereits mehr als ein Drittel der Beratungen aus (gegenüber 10.9% in 2009). Dabei geht es vor allem um Suizidgedanken (9.3%), depressive Stimmung (4.6%), Krisen (3.8%), Angst (3.6%) oder psychische Erkrankungen (3.5%). Diese Themen nehmen zwar auch in der Online-Statistik zu und machen hier bereits 13% aus, doch «es zeigt sich, dass die Jugendlichen gerade bei schwerwiegenden persönlichen Problemen weiterhin ein direktes Gegenüber suchen, welches ihnen zuhört und auf ihr individuelles Problem eingehen kann», erklärt Thomas Brunner weiter.

Ausbau des Chats mit Gleichaltrigen

Manchmal ist es einfacher, sich über die eigene Situation mit Gleichaltrigen auszutauschen. Daher hat Pro Juventute 2017 den «Chat mit Gleichaltrigen» lanciert. Ein bis zwei Mal pro Woche stehen Teams von Jugendlichen online zur Verfügung für einen persönlichen Chat. Die jugendlichen Beraterinnen und Berater werden dabei begleitet von Beratungsprofis der Beratung + Hilfe 147. Aufgrund des Erfolgs dieses Angebots wurde es 2019 weiter ausgebaut und steht nun in Deutsch, Französisch und Italienisch zur Verfügung. 2019 wurde diese Chatberatung von 2057 Jugendlichen in Anspruch genommen. Auch während der Coronakrise steht der «Chat mit Gleichaltrigen» Jugendlichen in der Deutschschweiz jeden Montag und Dienstag zwischen 19 und 22 Uhr sowie Jugendlichen in der Romandie und dem Tessin jeden Montag zwischen 19 und 22 Uhr offen.

Jugendliche gestalten die neue Kommunikationskampagne

Doch nicht nur in der Beratung bezieht Pro Juventute Jugendliche mit ein, auch die neue Kommunikationskampagne wurde von neun jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 22 Jahren umgesetzt. Sieben Fotograf*innen und zwei Filmer*innen aus verschiedenen Regionen der Schweiz entwickelten im Rahmen einer Pop-Up-Agentur die Bild- und Filmkonzepte zu sieben relevanten Themen aus dem Beratungsalltag von Beratung + Hilfe 147. Gemeinsam mit befreundeten Models sowie begleitet durch die Profis von Rod Kommunikation setzten die Jugendliche ihre Plakate und Filme Mitte Februar in einer intensiven Arbeitswoche um. «Wir gaben den Künstlerinnen und Künstlern dabei weitgehend freie Hand und sind begeistert vom Ergebnis. Die Jugendlichen haben ihren eigenen Blickwinkel eingebracht und ihre Bilder und Filme berühren daher ganz besonders», erzählt Ingo Albrecht, Kampagnenverantwortlicher bei Pro Juventute.

Die Bilder und Filme werden ab heute, Montag, 30. März 2020, online publiziert. Ab 8. Juni 2020 werden sie zudem als Plakate in der ganzen Schweiz zu sehen sein. 

Kampagnen-Informationen:

https://pj.projuventute.ch/da-fuer-dich

Kontakt und weitere Informationen:

Bernhard Bürki
Leiter Kommunikation & Marketing / Mediensprecher
Telefon: 044 256 77 22 
E-Mail: bernhard.buerki[at]projuventute.ch

 

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Programme und Dienstleistungen, wie die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 oder die Pro Juventute Elternberatung an. Davon profitieren jährlich rund 265'000 Kinder und Jugendliche und 100‘000 Eltern in der Schweiz.

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